Christine Schirrmacher
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Berliner Zeitung rudert zurück: Journalist entschuldigt sich für persönliche Verunglimpfung der Bonner Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher

Im Feuilleton der BERLINER ZEITUNG hatte Dirk Pilz zur Veröffentlichung eines Interviews der Katholischen Nachrichtenagentur anlässlich der Neuerscheinung von Christine Schirrmachers Buch „Islam und Demokratie – ein Gegensatz?“, Hänssler: Holzgerlingen, 2013 (vollständiges Interview s. hier) geschrieben, diese Veröffentlichung sei „Dummheit“, „dumm machend“, ein Zeichen von „Unwillen“ oder „Unfähigkeit, die Welt anders als in klappernd dualistischen Begriffen zu betrachten“ (s. hier).

Während aus diesem ersten Abschnitt nicht ganz eindeutig hervorging, ob Dirk Pilz mit seinen Verunglimpfungen auf Christine Schirrmachers Buch abzielte oder auf das Interview der Katholischen Nachrichtenagentur oder aber auf beides, wurde dies spätestens in seinem letzten Abschnitt deutlich, in dem er die KNA als „Anwalt der Dummheit“ bezeichnete, also Christine Schirrmacher als Verfasserin von Dummheit. Die Islamwissenschaftlerin wandte sich daraufhin mit einem Offenen Brief an den Autor bzw. die Chefredaktion der BERLINER ZEITUNG und erhielt postwendend ein Schreiben, indem der Autor „ausdrücklich um Entschuldigung“ bat.

Berliner Zeitung
Chefredaktion
10888 Berlin

Bonn, den 18.8.2013

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Dr. Pilz,

mit Erstaunen und Befremden habe ich von Ihrem Kommentar „Ist der Islam undemokratisch?“ in der Berliner Zeitung vom 9.8. Kenntnis genommen.

Mit Erstaunen deshalb, weil Sie sich in Ihrer Kritik meines Buches „Islam und Demokratie – ein Gegensatz?“ lediglich auf eine Meldung der KNA beziehen, ohne offensichtlich auch nur einmal in mein Buch hineingeschaut zu haben. Dass die KNA über mich schreibt, scheint Grund genug für Sie, mit viel Schaum vor dem Mund in die unterste Kategorie von beleidigendem Journalismus zu greifen, anstatt sich sachlich mit den Fakten auseinanderzusetzen, die ich in meinem Buch ausgebreitet habe.

Für diese differenzierte Darstellung der Faktenlage – die dem Islam seine Demokratiefähigkeit nicht abspricht – brauche ich immerhin 101 S. (von Ihnen verächtlich „Heftlein“ genannt), Sie aber brauchen nur einen Interviewtext aus zweiter Hand, um zu wissen, dass ich nicht nur „dumm“ und „dumm machend“, sondern auch „unfähig“, „unwillig“ zur Differenzierung und „klappernd dualistisch“ schreibe.

Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass Sie offensichtlich keinerlei Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung unter Akademikern haben und wissenschaftliche Meinungsvielfalt nicht aushalten können, sondern lediglich hetzen und verächtlich machen wollen. Schade – von einem promovierten Journalisten hätte ich mehr erwartet; wenigstens, dass er die Grundlagen einer fairen wissenschaftlichen Auseinandersetzung beherrscht. Oder, um in Ihren Worten zu sprechen, dem „unbescholtenen Informationsendverbraucher“ nicht vorenthält, dass ich in meinem Buch die „Genauigkeit“ keineswegs „unterlaufen“, sondern die wesentlichen muslimischen Auffassungen pro und contra Demokratie zusammengestellt habe. Ich habe mehr muslimische Befürworter von Demokratie in diesem Buch aufgeführt als Gegner. Das Buch sagt nirgends, dass die Demokratie in irgendeiner Weise „christlich“ sei, einen christlichen Staat lehnt es ausdrücklich ab.

Wenn es Sie allerdings tatsächlich stört, wie Sie schreiben, dass ich der Meinung bin, dass ein traditionell ausgelegtes und angewandtes „islamisches Rechtssystem mit den Freiheitsrechten der UN-Charta schwer zusammenpasst“ und das der eigentliche Grund für Ihr publizistisches Blindwüten ist, kann ich doch wieder beruhigt sein, da ich mich damit doch auf dem guten Boden von Grundgesetz und universalen Menschenrechten befinde.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit besten Grüßen,

Prof. Dr. Christine Schirrmacher

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Prof. Dr. phil. habil. Christine Schirrmacher
Islamwissenschaftlerin
Abteilung für Islamwissenschaft und Nahostsprachen
am Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn
www.ioa.uni-bonn.de/abteilungen/islamwissenschaft
Evangelisch-Theologische Fakultät (ETF) Leuven/Belgien
SS 2013: Gastprofessur Universität Erfurt, Lehrstuhl Islamwissenschaft
WS 2013/14: Gastprofessur Universität Tübingen
Website: www.christineschirrmacher.info

Die Antwort von Dr. Dirk Pilz:

Sehr geehrte Frau Schirrmacher,

vielen Dank für Ihre Zuschrift.

Entgegen Ihrer Vermutung habe ich durchaus Ihr Buch gelesen, allerdings den Fehler begangen, in meinem kurzen Kommentar offensichtlich nicht deutlich genug gemacht zu haben, dass er sich gegen die Praxis einer Nachrichtenagentur wendet, die ein Interview benutzt, um daraus eine tendenziöse Meldung zu machen; ich meinte, die „Dummheit“ unmissverständlich adressiert zu haben, nämlich keineswegs ad personam, sondern eben gegen die Praxis der Nachrichtenagentur. Augenscheinlich ist dies nicht der Fall. Dafür möchte ich ausdrücklich um Entschuldigung bitten.

Mit herzlichen Grüßen,
Dirk Pilz

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Dr. Dirk Pilz
Feuilleton
Berliner Zeitung


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