Christine Schirrmacher
Scharia

„Gehört der Islam zu Deutschland?“

Dezember 12, 2016 by · Leave a Comment 

Wer den gesellschaftlich-politischen Anspruch des Schariarechts ablehnt, dessen Islam passt zu Deutschland.

Wer es grundsätzlich ablehnt, dass Recht und Gesellschaft nach Schariarecht gestaltet werden müssen (wie etwa die Gemeinschaft der Aleviten), dessen Islam passt zu Deutschland und zu jeder anderen Demokratie. Muslime, die den gesellschaftspolitischen Anspruch des Schariarechts zurückweisen, werden die Demokratie ohne Vorbehalte bejahen können, da sie sich nicht zwischen ihrem Glauben und der Demokratie entscheiden müssen. Regeln für Gebet und Fasten gehören zwar formal auch zum Schariarecht, sind aber kein politisches Programm. Die etablierte Theologie hat die Trennung von Glaube und Schariarecht niemals vollzogen, viele Muslime in ihrem Leben haben es durchaus. Sie sind nicht Feinde, sondern Freunde der Demokratie und oft ihre engagiertesten Befürworter. Im PDF weiterlesen …

Islam und Demokratie – Konvergenz oder Divergenz?

Mai 6, 2016 by · Leave a Comment 

Am 12.5.2015 hielt Christine Schirrmacher einen Vortrag mit dem Titel „Islam und Demokratie – Konvergenz oder Divergenz?“ beim Expertenworkshop „Der Islam und die säkulare Gesellschaft“ der „Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP)“ im Rahmen des Forschungsprojekts: „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“.

Der Vortrag kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Scharia-Gerichte in Deutschland?

Dezember 18, 2012 by · Leave a Comment 

Antrittsvorlesung von Christine Schirrmacher an der Universität Bonn

(Bonn, 17.12.2012) Kommt die islamische Rechtsordnung Scharia auch in Deutschland zur Anwendung? Im Einzelfall ja, erklärte die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher bei ihrer öffentlichen Antrittsvorlesung an der Universität Bonn.

Schirrmacher nannte als Beispiel den Fall einer Witwe aus München, die hinnehmen musste, dass die im Iran lebende Familie ihres verstorbenen Mannes drei Viertel seines Erbes zugesprochen wurde, obwohl in seinem Testament die Ehefrau als Alleinerbin bestimmt worden war. „Es wäre eine grundsätzliche Überlegung, ob es der Schaffung eines einheitlichen Rechtsbewusstseins dienlich ist, wenn auch nach 20-, 30-jährigem oder längerem Aufenthalt in Deutschland auslän­disches Zivilrecht zum Tragen kommt oder ob hier nicht die Anwendung inländischen Rechts integrationsfördernder wäre“, erklärte die Islamwissenschaftlerin. Anders als beispiels­weise in Großbritannien seien Scharia-Gerichts­höfe in Deutschland jedoch nicht existent.

In Großbritannien hätten 1996 Scharia-Gerichte mit staatlicher Erlaubnis den Betrieb aufgenommen. Sie würden unter anderem über Scheidungen und Fälle von häuslicher Gewalt entscheiden. „Das sind inoffizielle, gerichtlich nicht anerkannte Tribunale, denen sich die Beteiligten freiwillig stellen“, so Schirrmacher. Je nach Schätzung würden mehrere Hundert bis mehrere Tausend Fälle auf diese Weise entschieden. Vor allem beim Scheidungsrecht sähen Frauen durch die Scharia-Gerichte eine Möglichkeit, Druck auf ihre Ehemänner auszuüben: „Willigt der Mann nicht in die Scheidung ein, kann ihn der Schariarichter dazu auffordern, seine Frau nach islamischer Tradition zu verstoßen.“ Das bedeute aber nicht, dass die Scharia-Gerichte für Frauen generell von Vorteil wären: „Körperliche ‚Züchtigung‘ der Ehefrau durch den Ehemann ist kein Grund für eine Scheidung, daher wird das Gericht dem Scheidungswunsch der Frau meist nur entsprechen, wenn es wirklich um Misshandlung geht.“

„Friedensrichter“ als Instanz zwischen Staat und Straftäter

Die Rechtsauffassung der inoffiziell tätigen Friedensrichter gehe oftmals nicht nur an der des deutschen Staates vorbei, sondern stehe auch in direktem Gegensatz zu dessen Rechtsauffassung. „Die Anzeige einer Straftat bei der Polizei gilt in manchen Migrantenkreisen als Zeichen der Schwäche“, sagte Schirrmacher, „ein Opfer, das eine Tat nicht sühnt, gilt nicht als friedfertig, sondern als Schwächling und wird verachtet“. Einige der Friedensrichter würden sich weniger auf die islamische Rechtsordnung, als vielmehr „nahöstliches Gewohnheitsrecht“ berufen. „In jedem

Fall wird das Gewaltmonopol des Staates unterlaufen, noch dazu von Friedensrichtern, die zuweilen ganz eigene Interessen im Drogen- oder Rotlichtmilieu haben.“ Schirrmacher führte aus, warum diese „extra-legale Rechtsprechung“ von den Behörden geduldet wird: „Viele Richter und Staatsanwälte haben eine sehr hohe Arbeitsbelastung. Wenn Zeugen ganz plötzlich ihre Aussagen ändern oder ihr Gedächtnis verlieren, dann gehen sie dem nicht immer nach.“

Bis zu 15 Prozent der Muslime gehen zum Friedensrichter

Ein Grund für den Erfolg von Friedensrichtern in Deutschland sei mangelnde Integration und ein geringes Vertrauen in die deutsche Justiz. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass die Mehrheit der Muslime  in Deutschland aus der Türkei stamme – und damit aus einem Land, das die Scharia abgeschafft hat. Verlässliche Zahlen über Scharia-Verfahren in Deutschland seien kaum zu bekommen. Der Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln geht aber davon aus, dass in seinem Stadtteil 10 bis 15 Prozent der Muslime Streitigkeiten durch Friedensrichter beilegen lassen.

Die Islamwissenschaftlerin wünscht sich weitere Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Dazu will Schirrmacher selbst beitragen: Der Vortrag über Scharia-Gerichte in Deutschland war ihre öffentliche Antrittsvorlesung zum Abschluss ihres Habilitationsverfahrens an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn. Schirrmacher lehrt seit 2012 am Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität und ist darüber hinaus wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie ist Sprecherin und Beraterin der Weltweiten Evangelischen Allianz für Islamfragen und Professorin für Islamische Studien an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Leuven (Belgien).

Der Koran erteilt dem Kampf im Namen des Islam keinerlei Absage

Oktober 11, 2012 by · Leave a Comment 

Christine Schirrmacher im Interview mit der Tagespost

Frau Professor Schirrmacher, kürzlich war die islamische Welt von Tunis bis Karachi wegen des Mohammed-Films in Aufruhr: Waren das spontane Proteste in ihren religiösen Gefühlen beleidigter Gläubiger oder von interessierter Seite inszenierte anti- westliche Pogrome, bei denen Fast-Food- Ketten in Flammen aufgingen und US-Fahnen brannten?

Die Proteste entluden sich nicht spontan, sondern es handelte sich um gezielte Inszenierungen von Extremisten, ebenso wie damals bei den Mohammed-Karikaturen. Gerade bei Extremisten ist der Hass auf den Westen Teil ihrer Weltanschauung. Da braucht es nicht viel, dass sie die Massen anstacheln. Es war ja auch nicht so, dass die Menschen zuerst den Film gesehen hätten und dann die Proteste entflammten, sondern extremistische Führer stellten den Film als Beleidigung des Islam und aller Muslime dar und trugen diese Sicht gezielt in die einzelnen Länder hinein. Dass die Proteste inszeniert wurden, heißt aber auf der anderen Seite nicht, dass sich viele Muslime durch den Film nicht ehrlich beleidigt gefühlt haben, wenn sie auch nicht gewalttätig geworden sind.

Aber was unterscheidet denn die gewaltlosen Frommen von denen, die Botschafter töten?

Nun, die Unterscheidung ist weniger eine theologische, also nicht so sehr ein Gegensatz zwischen konservativen und liberalen Muslimen, wie wir das analog unter Christen im Westen haben. Dass die einen den Koran „wörtlich“ nehmen und ihn die anderen historisch-kritisch auslegen würden, trifft so nicht zu, weil die islamische Theologie an den Fakultäten und Moscheen noch keine historisch-kritische Theologie entwickelt hat. Der Koran gilt gläubigen Muslimen als unmittelbar an Mohammed ergangenes, unfehlbares Offenbarungswort Gottes, das zu 100 Prozent unverändert bis heute bewahrt wurde.

Das heißt, man kann den Koran auch unhistorisch lesen und dennoch nicht Gewalt legitimieren?

Auf jeden Fall – das zeigen ja die vielen gläubigen Muslime, die friedlich im Nahen Osten und Asien, aber auch im Westen leben. Ihnen kann man ja nicht vorhalten, dass sie nur den Islam nicht richtig praktizieren. …

Das vollständige Interview kann hier als PDF heruntergeladen werden.

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Christine Schirrmacher