Schariarecht

Interview mit Bonner Islamwissenschaftlerin:
„Der politische Islam gehört in die öffentliche Debatte“

August 29, 2016 by · Leave a Comment 

20.07.2016 BONN. Mit dem Islam in der Welt beschäftigt sich seit Jahren die Bonner Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher. Sie sieht die Politik gefordert. Mit ihr sprach Rüdiger Franz.

Frau Professor Schirrmacher, wenn, wie hochrangige Politiker behaupten, der Islam zu Deutschland gehört – gehört dann auch die Scharia zu Deutschland?

Christine Schirrmacher: Es kommt darauf an, was man unter dem Reizwort “Scharia” inhaltlich versteht. Meist wird im täglichen Sprachgebrauch “Scharia” als Synonym für das islamische Strafrecht gebraucht, das selbstverständlich nicht zur Rechtstradition und Verfassung Deutschlands gehört. Allerdings sind – neben der möglichen Anwendung des Internationalen Privatrechts – etwa auch die Regelungen für das Fasten im Monat Ramadan oder der gesamte Ablauf des rituellen Gebets Teil des Schariarechts, dessen Praxis durch muslimische Mitbürger längst selbstverständlicher Teil Deutschlands geworden ist.

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Friedensrichter, Streitschlichter, Schariagerichtshöfe

November 12, 2015 by · Leave a Comment 

Ist die Rolle der Vermittler auf den säkularen Rechtsstaat übertragbar?

Cover Friedensrichter, Streitschlichter, Schariagerichtshöfe„Die Scharia gilt auch in Deutschland!“ Solche und ähnliche Schlagzeilen tauchen hierzulande immer wieder in der Presseberichterstattung auf und rufen meist heftige Abwehrreaktionen hervor. Der wohl prominenteste Widerspruch zu einer derartigen Verlautbarung stammt von keiner Geringeren als der deutschen Bundeskanzlerin, die im Zusammenhang mit der immer wieder aufflammenden Schariadebatte mit den Worten zitiert wird: In Deutschland „gilt das Grundgesetz und nicht die Scharia.“

[…]

Zwar ist es dem juristischen Laien meist nicht bekannt, aber ungeachtet dessen eine Tatsache, dass in bestimmten Fällen deutsche Gerichte Scharianormen zur Anwendung bringen können. Dies ist im internationalen Privatrecht der Fall, wenn bei nicht-deutscher Staatsbürgerschaft der Beteiligten Urteile in Übereinstimmung mit dem islamisch geprägten Zivilrecht des Herkunftslandes gefällt werden. Dies betrifft insofern nicht nur einzelne Länder, als in allen arabischen Ländern das Zivilrecht (also das Ehe- und Familien- sowie Erbrecht) auf schariarechtlichen Normen gründet.


Bibliographische Angaben:

  • Christine Schirrmacher. Friedensrichter, Streitschlichter, Schariagerichtshöfe – Ist die Rolle der Vermittler auf den säkularen Rechtsstaat übertragbar? Rechtspolitisches Forum 62. Trier: Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier, 2013. (48 S.)


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Neu erschienen: „Es ist kein Zwang in der Religion“

Oktober 12, 2015 by · Leave a Comment 

Neu erschienen: Christine Schirrmacher. „Es ist kein Zwang in der Religion“ (Sure 2,256): Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen. Diskurse zu Apostasie, Religionsfreiheit und Menschenrechten. Ergon-Verlag, Reihe Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Bd. 12. 550 S.

Habil_CoverWie stellt sich die Lage in islamisch geprägten Ländern beim Thema Religionsfreiheit, Religionskritik und dem Abfall vom Islam, der Apostasie, dar? Per Gesetz bekennen sich die meisten dieser Länder ausdrücklich zur Religionsfreiheit – praktisch aber erleiden kritische Intellektuelle, progressive Koranwissenschaftler, Frauen- und Menschenrechtler, Konvertiten vom Islam sowie Angehörige nicht-anerkannter Minderheiten vielerorts Diskriminierung, Ächtung, Bedrohung, Inhaftierung oder sogar den Tod. Bei der Ursachenforschung für diese Diskrepanz werden die drei heute vertretenen Hauptpositionen islamischer Gelehrter zur Apostasie erläutert, die von deren global einflussreichsten Vertretern, Yusuf al-Qaradawi (geb. 1926), Abdullah Saeed (geb. 1960) und Abu l-A’la Maududi (1903-1979), verfochten werden. Die Studie beschäftigt sich anhand ihrer Veröffentlichungen zu Religionsfreiheit und Apostasie mit dem ideengeschichtlichen Transfer der „Saat ihrer Worte“ (Hrant Dink) in die Gesellschaft sowie mit ihrem weltweit immensen Einfluss auf Theologie, Recht und Politik. Am Ende steht die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit Verfechter unbeschränkter Religionsfreiheit und Menschenrechte in diesem Teil der Welt vermehrt Gehör finden.


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Interview mit Islam-Expertin: „Kampfaufrufe Mohammeds für ungültig erklären“

Januar 19, 2015 by · Leave a Comment 

Düsseldorf. Christine Schirrmacher zählt zu den profiliertesten Kennern des Islam. Bereits in ihrer Doktorarbeit hat sie sich mit der christlich-muslimischen Kontroverse im 19. Und 20. Jahrhundert auseinandergesetzt. Ihre provokante These: Der Islam muss sich von Mohammeds Beispiel verabschieden, wenn er sein Gewaltproblem lösen will. – Ein Interview mit Christine Schirrmacher von Jasmin Buck.

Frau Schirrmacher, warum ist die Gewalt im Islam so ausgeprägt wie in keiner anderen Religion?

Schirrmacher: Der Islamismus als politisierte Form des Islam und der Dschihadismus, der die politische Umsetzung des Islam einschließlich der Anwendung des Schariarechts durchsetzen will, sind Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Krisensituation im Nahen Osten entstanden. Sie sind also relativ neuen Datums und prägen nicht den Islam oder die islamische Geschichte als solche. Aber der politische Islam beruft sich auf die wesentlichen Quellen des Islam, die kein grundsätzliches Verbot von Kriegführung und Gewalt zur Verteidigung des Islam formulieren. Auch das Vorbild Mohammeds als Kriegsherrn und das grundsätzliche Gebot, ihn in allem nachzuahmen, ist von der Theologie nie grundsätzlich relativiert worden. Es gibt zwar viele Gebote zur Einschränkung der Gewaltanwendung beim Jihad und auch Bedingungen, ihn überhaupt zu führen, aber kein generelles Jihad-Verbot in den autoritativen Quellen. Die Frage, wann sich der Islam „verteidigen“ muss, kann natürlich sehr unterschiedlich interpretiert werden. Radikale Bewegungen meinen, das sei der Fall, wenn etwa Karikaturen über den Islam veröffentlicht werden.

In der Logik der Extremisten wird der Islam angegriffen: vom imperialistischen Westen mit Waffen, Ausbeutermethoden und einem verwerflichen Wertesystem. Was halten Sie davon?

Schirrmacher: Der Islam kann friedlich wie alle anderen Religionen um Anhänger werben, das ist sein gutes Recht. Wenn sich manche islamischen Gruppen jedoch durch die Existenz des Westens an sich, die dortige Werteordnung und Pressefreiheit bereits angegriffen fühlen und dagegen mit der Durchführung von Anschlägen und der wahllosen oder gezielten Ermordung von Bürgern westlicher Länder reagieren, ist das nichts anderes als Terrorismus, der aufs Schärfste verurteilt werden muss und keine Rechtfertigung oder Entschuldigung in der Verletzung religiöser Gefühle finden sollte. Die Einschränkung der westlichen Pressefreiheit, auch Kritisches oder Satirisches über den Islam zu berichten, würde ihm als einzigem eine Sonderrolle der Unantastbarkeit zubilligen.

Viele Muslime müssen sich aktuell für islamistischen Terrorismus rechtfertigen. Woran liegt das?

Schirrmacher: Zum einen gibt es natürlich diejenigen, die zu wenig differenzieren und alle Muslime zu Attentätern oder potentiellen Terroristen stempeln, was im höchsten Maß abzulehnen ist. Es ist verständlich, dass diejenigen Muslime in westlichen Ländern, die die Gewalttaten zutiefst verabscheuen, sich nicht ständig erneut rechtfertigen möchten und sich zu Unrecht verdächtigt sehen. Allerdings muss die Demaskierung von Gewalt und die generelle Distanzierung der Theologie von allen Quellen des Islam, die Gewalt unter welchen Vorzeichen auch immer rechtfertigen, aus der Mitte der islamischen Theologie selbst kommen. Wichtiger aber ist: So lange die Kampfaufrufe Mohammeds und der Kalifen nicht für alle Zeiten für ungültig erklärt werden, wird der Islam sein Gewaltproblem nicht loswerden.

Ist der Islam eine Religion der Liebe?

Schirrmacher: Das Zentrum der islamischen Theologie ist die Lehre von dem einen Gott, dem sich der Mensch unterwerfen soll. Ein Gebot der generellen Nächstenliebe oder Feindesliebe kennt die islamisch-klassische Theologie nicht.

Salafisten sprechen die Sprache der Jugend. Warum setzen muslimische Gemeinden keine Jugendarbeit dagegen?

Schirrmacher: Es gibt bereits muslimische Sozialarbeiter und Projekte, die sich gezielt an Jugendliche wenden und ihnen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung anbieten; häufig sind das jedoch städtische Initiativen oder Projekte einzelner Institutionen, die nicht aus den Moscheen hervorgehen. Die klassische Moschee bietet zunächst Korankurse, vielleicht einen Nachhilfenachmittag oder auch ein Mädchentreff an, aber häufig sind die Jugendlichen der Meinung, dass die klassischen Moscheeangebote – um so mehr, wenn der Imam aus der Türkei oder einem arabischen Land stammt – völlig an ihren Bedürfnissen vorbeigehen – es fehlt an der Bereitschaft und Fähigkeit junger und gut ausgebildeter Imame, die hier in Deutschland aufgewachsen sind, auf die Fragen der Jugendlichen hier in Deutschland einzugehen, die zwei Welten (die der Tradition und Elterngeneration) und die der europäischen Gesellschaften im 21. Jahrhundert unter einen Hut bringen müssen und ihnen tragfähige Antworten zu geben, wie sie Muslime bleiben und dennoch inmitten der deutschen Gesellschaft leben und dazu gehören können – allerdings fühlen sie sich häufig ausgegrenzt von der deutschen Gesellschaft, was wieder der Abschottung in die Hände spielt. Um diese Brücke zwischen islamischer und deutscher Identität bei den Jugendlichen der 3. Generation zu bauen, muss aber auch Rede- und Kritikfähigkeit bei jungen Imamen geschult werden, auch die Selbstkritik und vor allem deren begründete Ablehnung jeglicher Radikalität. Leider wirken einige Jugendimame, die das Gedankengut radikaler Gruppierungen und Geldgeber aus dem Nahen Osten hier verbreiten, gerade in die entgegengesetzte Richtung auf die Jugendlichen ein und predigen ihnen, dass sie nur Muslime sein können, wenn sie sich von der westlichen, sündigen Welt total abkapseln und den Islam „ganz“ umsetzen. Von der Abkapselung und der Diskriminierungserfahrung ist es dann, wenn persönliche Misserfolge oder Familienbrüche hinzukommen, bis zur Radikalität nicht mehr weit.

Nur jeder vierte Deutsche sieht den Islam als Bereicherung. Warum?

Schirrmacher: Wer hört, dass es wiederholt zu Gewalttaten durch Extremisten in Nachbarländern kommt, die diese Taten als religiös gerechtfertigt oder sogar von ihrer Religion als befohlen betrachten, macht sich Sorgen, was demnächst vor der eigenen Haustür passiert. Dennoch sind weder Verallgemeinerung noch Generalverdächtigungen angesagt.

Was denken Sie, wenn Sie die Zehntausenden „Pegida“-Demonstranten in Dresden und anderen deutschen Städten sehen?

Schirrmacher: Dass sich hier ein Unwohlsein Bahn bricht, das die Politik sehr ernst nehmen und die sehr diversen Teilnehmer nicht mit herabsetzenden Worten abqualifizieren sollte. Es sind nicht nur rechtslastige Krawallbürger dabei, sondern auch besorgte, gebildete Bürger, die sehr wohl zwischen Muslimen und Terroristen differenzieren, aber ihrer Sorge Ausdruck geben möchten, dass ungute politische und gesellschaftliche Entwicklungen nicht genügend öffentlich thematisiert und kritisch diskutiert werden. Sie öffentlich über die Medien abzukanzeln wird nur ihren Zulauf verstärken. Gesprächseinladungen, kritisch-konstruktive Dialoge und ein Ernstnehmen der berechtigten Anliegen wären besser.

Jasmin Buck stellte die Fragen.

Quelle: RP

Die Frage der Freiwilligkeit der islamischen Eheschließung

Januar 2, 2015 by · Leave a Comment 

Schariarechtliche Vorgaben und gesellschaftliche Praxis unter Berücksichtigung des Phänomens der Zwangsheirat

Cover Die Frage der Freiwilligkeit der islamischen Eheschließung

Können muslimische Ehepartner aus freien Stücken heiraten? Dürfen besonders Frauen aus dem islamischen Kulturkreis eigenständig entscheiden, ob und mit wem sie die Ehe einge- hen wollen? Werden Zwangsheiraten durch die Quellen des Islam – Koran, Überlieferung, Schariarecht – legitimiert oder sind sie eine Form der Geiselnahme des Islam für eine kultu- relle Praxis, die ihre Wurzeln in nicht-islamischen Traditionen hat? Und nicht zuletzt: Wie ist es mit der Problematik der Zwangsehen in Deutschland bestellt?


Bibliographische Angaben:

  • Christine Schirrmacher. Die Frage der Freiwilligkeit der islamischen Eheschließung: Schariarechtliche Vorgaben und gesellschaftliche Praxis unter Berücksichtigung des Phänomens der Zwangsheirat. Rechtspolitisches Forum – Legal Policy Forum, 61. Trier: Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier, 2012. (56 S.)


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Die Scharia

Januar 1, 2015 by · Leave a Comment 

Recht und Gesetz im Islam

Cover Die Scharia: Recht und Gesetz im Islam Das Thema „Scharia“ ist heute in vieler Munde. Oft ist inhaltlich unklar, was darunter zu verstehen ist. Es geht nicht nur um religiöse Gebote, sondern auch um Familien-, Erb- und Strafrecht. Dieses Buch erläutert allgemeinverständlich Entstehung, Grundlagen, Inhalt und Bedeutung der Scharia für Europa.


Bibliographische Angaben:

  • Christine Schirrmacher. Die Scharia: Recht und Gesetz im Islam. SCM Hänssler: Holzgerlingen, 20071; 20092; 20154. ISBN: 978-3-7751-7211-0.


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The Sharia

Mai 12, 2013 by · Leave a Comment 

Law and Order in Islam

What is Sharia law? Centuries ago the West might have been indifferent to the question of how the Islamic legal system operates. But in our time of globalization we can no longer afford to ignore the legal approach that is perceived as valid in Muslim majority countries and is important to as many as one billion Muslims. The Sharia encompasses comprehensive legal guidelines for all areas of life that are justified by Islam. This means the entirety of the commands of Allah, as they were laid down in the Koran and Islamic tradition and then interpreted by leading theologians. “The Sharia – Law and Order in Islam” also explains the practical consequences for the life of minorities, converts, and women.


Bibliography:

  • Christine Schirrmacher. The Sharia – Law and Order in Islam. The WEA Global Issues Series. Vol. 10. Culture and Science Publishing: Bonn, 2013. 74 pp. ISBN 978-3-86269-042-8.


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