Gewalt im Namen des Islam

Neuerscheinung: Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland

Juli 5, 2019 by · Leave a Comment 

Carsten Linnemann; Winfried Bausback (Hg.). Der Politische Islam gehört nicht zu Deutschland. Herder: Freiburg, 2019, 288 S., 22 Euro.

Cover Der politische Islam gehört nicht zu DeutschlandDer politische Islam ist derzeit eines der größten Integrationshemmnisse von Muslimen in die deutsche Gesellschaft. Doch was ist gemeint, wenn die Herausgeber und Autoren dieses Buches vom politischen Islam sprechen? Für Carsten Linnemann und Winfried Bausback ist eine klare Differenzierung dringend notwendig „denn den einen Islam gibt es nicht. Stattdessen gibt es unzählige Strömungen, leider nicht nur friedliebende. Die radikalen Ausprägungen, die den westlichen Lebensstil zum Feindbild erheben und unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung zu unterlaufen suchen, bezeichnen wir als ‚politischen Islam‘. Und genau um diesen politischen Islam geht es in diesem Buch.“

Weit über 1 Mio. Menschen sind seit 2015 aus überwiegend muslimischen Ländern nach Deutschland gekommen. Dadurch ist die deutsche Gesellschaft pluralistischer geworden. Wenn es jedoch nicht gelingt, den liberalen islamischen Kräften in Deutschland und Europa Raum zur Entfaltung zu geben, ist der gesellschaftliche Friede gefährdet. Radikale Auslegungen sind nicht mit der demokratischen und rechtsstaatlichen Grundordnung Deutschlands zu vereinbaren. Die Probleme des politischen Islam, etwa die Moscheenfinanzierung aus dem Ausland, die Auswüchse der Schariajustiz oder die Unterdrückung von Mädchen und Frauen, müssen identifiziert und Antworten darauf gefunden werden. Integration kann nur gelingen, wenn jeder die Grundregeln des Zusammenlebens anerkennt und sich ihnen anpasst. Dazu zählt die Akzeptanz des aufgeklärten, säkularisierten Staates sowie der freiheitlichen Errungenschaften, die Religionsfreiheit eingeschlossen. Und dennoch kann und darf die Religionsfreiheit nicht schrankenlos sein, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt und letztlich die Demokratie bewahrt werden sollen.

Die Präsentation des Buches mit Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages, am 21.2.2019 in Berlin © Herder Verlag

Die Präsentation des Buches mit Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages, am 21.2.2019 in Berlin © Herder Verlag

Diese Entwicklungen und die Beobachtung, dass islamistische Strömungen in Deutschland zunehmen, haben die beiden Herausgeber zum Anlass genommen, mit einigen der renommiertesten Experten und Publizisten aus den Bereichen Islamwissenschaft, Soziologie, Politologie und Terrorbekämpfung ins Gespräch zu kommen. „Es wurden die entscheidenden Bereiche identifiziert, in denen sich religiöser Extremismus Bahn brechen kann, und Vorschläge erarbeitet, wie diesem Einhalt geboten werden kann. Ziel war und ist es, die Debatte zum Islam auf eine neue Basis zu stellen und auch unbequeme Fakten anzusprechen. Nichts verschweigen, nichts schönreden, aber auch nichts schwarzmalen – das ist unsere Devise.“

Die Autoren erklären, was gesetzlich, in der Prävention und in der Wertevermittlung getan werden muss, um extremistische Auslegungen zurückzudrängen und die liberalen Kräften im Islam zu stärken. Am Ende des Buches steht der Entwurf eines Maßnahmenpakets, das die Politik schnellstmöglich umsetzen sollte.

Mit Beiträgen von Marwan Abou Taam, Sascha Adamek, Michael Blume, Necla Kelek, Markus Kerber, Ruud Koopmans, Ahmad Mansour, Boris Palmer, Christine Schirrmacher, Andreas Schnadwinkel, Düzen Tekkal, Bassam Tibi und Joachim Wagner.

Fotos © Herder Verlag

Der Koran erteilt dem Kampf im Namen des Islam keinerlei Absage

Oktober 11, 2012 by · Leave a Comment 

Christine Schirrmacher im Interview mit der Tagespost

Frau Professor Schirrmacher, kürzlich war die islamische Welt von Tunis bis Karachi wegen des Mohammed-Films in Aufruhr: Waren das spontane Proteste in ihren religiösen Gefühlen beleidigter Gläubiger oder von interessierter Seite inszenierte anti-westliche Pogrome, bei denen Fast-Food-Ketten in Flammen aufgingen und US-Fahnen brannten?

Die Proteste entluden sich nicht spontan, sondern es handelte sich um gezielte Inszenierungen von Extremisten, ebenso wie damals bei den Mohammed-Karikaturen. Gerade bei Extremisten ist der Hass auf den Westen Teil ihrer Weltanschauung. Da braucht es nicht viel, dass sie die Massen anstacheln. Es war ja auch nicht so, dass die Menschen zuerst den Film gesehen hätten und dann die Proteste entflammten, sondern extremistische Führer stellten den Film als Beleidigung des Islam und aller Muslime dar und trugen diese Sicht gezielt in die einzelnen Länder hinein. Dass die Proteste inszeniert wurden, heißt aber auf der anderen Seite nicht, dass sich viele Muslime durch den Film nicht ehrlich beleidigt gefühlt haben, wenn sie auch nicht gewalttätig geworden sind.

Aber was unterscheidet denn die gewaltlosen Frommen von denen, die Botschafter töten?

Nun, die Unterscheidung ist weniger eine theologische, also nicht so sehr ein Gegensatz zwischen konservativen und liberalen Muslimen, wie wir das analog unter Christen im Westen haben. Dass die einen den Koran „wörtlich“ nehmen und ihn die anderen historisch-kritisch auslegen würden, trifft so nicht zu, weil die islamische Theologie an den Fakultäten und Moscheen noch keine historisch-kritische Theologie entwickelt hat. Der Koran gilt gläubigen Muslimen als unmittelbar an Mohammed ergangenes, unfehlbares Offenbarungswort Gottes, das zu 100 Prozent unverändert bis heute bewahrt wurde.

Das heißt, man kann den Koran auch unhistorisch lesen und dennoch nicht Gewalt legitimieren?

Auf jeden Fall – das zeigen ja die vielen gläubigen Muslime, die friedlich im Nahen Osten und Asien, aber auch im Westen leben. Ihnen kann man ja nicht vorhalten, dass sie nur den Islam nicht richtig praktizieren. …

Das vollständige Interview kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Alle Rechte: Die Tagespost