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Bonner Professorin in Unabhängiges Expertengremium zur Muslimfeindlichkeit (UEM) berufen

Der Bundesinnenminister des Innern hat die an der Universität Bonn lehrende Professorin für Islamwissenschaft, Christine Schirrmacher, in das zwölfköpfige Expertengremium berufen, das im Auftrag der Bundesregierung Erscheinungsformen und Auftreten der Muslimfeindlichkeit in Deutschland erforschen soll. Binnen zwei Jahren soll ein Bericht erstellt werden. Der Minister hatte die Gründung des Gremiums anlässlich eines Terroranschlags auf Muslime in Hanau am 22. August 2020 angekündigt.

Christine Schirrmacher © privat

Wie die 58-jährige der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, setzt sie sich in Forschung und Lehre kritisch mit Erscheinungsformen und Rechtfertigung von Gewalt und Unterdrückung, etwa von Frauen und Andersgläubigen, im Namen der Religion auseinander. Doch ebenso müssten Hassreden, Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten und allen, die andere Auffassungen vertreten, geahndet werden, auch gegenüber Muslimen. Die Professorin setzt sich seit vielen Jahren auch für die Religionsfreiheit von Muslimen ein, etwa 2015 als Sachverständige der Anhörung „Religionsfreiheit und Demokratieentwicklung“ (siehe auch hier) im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages. Im Auftrag der Weltweiten Evangelischen Allianz ist sie als Commissioner for Islam Affairs für den internationalen Dialog mit muslimischen Führern zuständig.

Schirrmacher gehört durch Berufung durch den Deutschen Bundestag dem Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR), Berlin, an und wurde durch den Bundesinnenminister zur 2. Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Bonn/Berlin, berufen. Zudem ist sie Mitglied im Kuratorium der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und gehört dem wissenschaftlichen Beirat des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Berlin, an. Sie gehört auch dem Netzwerk „Connecting Research on Extremism in North Rhine-Westphalia“ (CoRE-NRW) an, das das Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) 2016 ins Leben gerufen hat. Das Netzwerk bringt Forschende, Praktiker und Verwaltung in NRW zusammen, die sich mit religiös begründetem Extremismus mit Schwerpunkt Salafismus befassen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte den „Unabhängigen Expertenkreis Muslimfeindlichkeit“ mit Vertretern aus Wissenschaft und Praxis am 1. September 2020 ins Leben gerufen. Er soll nach seinen Worten Strategien zur Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit ausarbeiten: „Muslimfeindliche Haltungen sind nicht nur eine Bedrohung für Muslime, sondern für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.“ Der „Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit“ (UEM) solle einen Beitrag dazu leisten, dass Staat und Gesellschaft „besser und gezielter dagegen vorgehen können“. Seine Einrichtung versteht sich auch als eine Reaktion auf rassistische und muslimfeindliche Vorfälle sowie terroristische Anschläge bzw. Anschlagsplanungen der vergangenen Monate. Bundesinnenminister Horst Seehofer: „Der schreckliche Anschlag in Hanau ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Gift des Rechtsextremismus das Böse im Menschen zu Tage treten lässt. Das ist ein Angriff auf Mitbürger und Freunde, ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte, der uns alle gemeinsam angeht. Dies nehme ich nicht hin.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Koordinierungsrat der Deutschen Muslime begrüßten die Einrichtung des Gremiums. Auch aus dem Ausland wurde die Einberufung des Expertenkreises gegen Muslimfeindlichkeit begrüßt. Das Observatorium zur Bekämpfung von Extremismus an der Kairoer Al-Azhar-Moschee hat das deutsche Innenministerium für die Einrichtung eines Expertengremiums gegen Muslimfeindlichkeit gelobt. Diese Feindlichkeit sei nicht nur eine Bedrohung für Muslime, sondern für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Allgemeinen, heißt es in einer Reaktion des Observatoriums in der Onlinezeitung „Egypt Today“ unter Berufung auf die ägyptische Nachrichten-Agentur „Mena“. Die Al-Azhar-Moschee ist die bedeutendste Moschee Ägyptens, die im 10. Jahrhundert n. Chr. von der Dynastie der schiitischen Fatimiden begründet wurde. Sie ist eine der bedeutendsten theologischen Lehrstätten des sunnitischen Islam im gesamten Nahen Osten, und die angegliederte Universität verfügt über rund 20.000 Studienplätze.

Die zwölf Mitglieder des UEM wurden soeben mit Berufungsschreiben des zuständigen Staatssekretärs im BMI, Dr. Markus Kerber, offiziell ernannt. Es handelt sich um Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, die eine breite fachliche Expertise zu Aspekten und Auswirkungen und/oder der Prävention von Muslimfeindlichkeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen einbringen. Neben sechs Universitätsprofessoren gehören sechs Mitarbeiter von Bildungs- oder Dokumentationsstätten sowie Nichtregierungsorganisationen dem Gremium an.

Die zwölf Mitglieder sind:

  • Dr. Iman Attia, Alice Salomon Hochschule Berlin
  • Karima Benbrahim, Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA)
  • Saba-Nur Cheema, Bildungsstätte Anne Frank e.V.
  • Yasemin El-Menouar, Bertelsmann Stiftung
  • Dr. Karim Fereidooni, Ruhr-Universität Bochum
  • Dr. Kai Hafez, Universität Erfurt
  • Özcan Karadeniz, Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V.
  • Dr. Anja Middelbeck-Varwick, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Nina Mühe, CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit
  • Mathias Rohe, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Dr. Christine Schirrmacher, Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Katholische Universität Löwen
  • Dr. Yasemin Shooman, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM)

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